Die COVID-19-Pandemie und was Sie in wirtschaftlicher Notlage tun können

Die COVID-19-Pandemie hat durch den Stillstand der Wirtschaft eine Vielzahl von Unternehmen, Freiberuflern, Gewerbetreibenden, Kunstschaffenden und Landwirten um die Möglichkeit gebracht, Geld zu verdienen, um den laufenden Lebensunterhalt zu bestreiten.

Deshalb ist die dringlichste Maßnahme derzeit für die meisten Betroffenen die Bewahrung oder Verbesserung der Liquidität, um die derzeitigen Umsatzausfälle irgendwie aufzufangen.

Wir haben für Sie eine Auswahl an Maßnahmen und Möglichkeiten zusammen gestellt, die hierbei behilflich sein können.

 

Sofortmaßnahmen gegenüber dem Finanzamt

Die Finanzämter sind derzeit angewiesen, Anträge auf steuerliche Erleichterungen, die bedingt durch die Corona-Krise gestellt werden, großzügig und möglichst unbürokratisch zu bearbeiten.
Um den Abfluss von Liquidität zu reduzieren und ggf. sogar Rücklagen für die momentan sehr unsicheren Zeiten zu schaffen können im Verhältnis zu den Finanzämtern folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Antrag auf Anpassung der vierteljährlichen  Steuervorauszahlungen (Körperschaft-, Einkommen- und Gewerbesteuer)
  • Antrag auf Herabsetzung der Umsatzsteuersondervorauszahlung auf 0,00 € im Falle der Dauerfristverlängerung
  • Antrag auf zinsfreie Stundung bereits fälliger Steuern (Körperschaft-, Einkommen-, Umsatz- und Gewerbesteuer)
  • Antrag auf Verlängerung der Abgabefrist von Steuererklärungen
  • Antrag auf Verzicht von Säumniszuschlägen durch die Finanzverwaltung

Steuerliche Strategiemaßnahmen innerhalb des Unternehmens

Auch das interne Rechnungswesen kann ggf. optimiert werden, um die Bemessungsgrundlage für betriebliche Steuern und Einkommensteuer möglichst zu reduzieren, z.B. durch

  • konsequente Bildung von Investitionsabzugsbeträgen bzw.
  • konsequente Inanspruchnahme der Sonderabschreibungen nach § 7 g EStG
  • konsequente Nutzung der GWG-Sofortabschreibung
  • konsequentere Bildung zulässiger Rückstellungen bei bilanzierenden Unternehmen
  • Prüfung, ob der Wechsel  der Gewinnermittlungsart (bei hohen Warenbeständen oder hohen Forderungsbeständen) möglich und sinnvoll ist

Geldbeschaffungsmaßnahmen für betriebliche Mittel

Zum einen bieten die Bundesländer und der Bund eine ganze Reihe von Maßnahmen zur Finanzierung durch öffentliche Stellen an.

Zuschussprogramme des Bundes und der Bundesländer

Die Soforthilfeprogramme für Betriebe und Freiberufler der Bundesländer  und des Bundes (https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2020/20200329-weg-fuer-gewaehrung-corona-bundes-soforthilfen-ist-frei.html) können parallel beantragt werden, Zuschüsse aus den Maßnahmen der Bundesländer und Zuschüsse des Bundes werden jedoch im Falle einer Überkompensation zurück gefordert.

Anträge sind bis spätestens 31.05.2020 bei der zuständigen Landesbehörde zu stellen. Weitere Hinweise und Antragsmöglichkeiten sind unter den nachfolgenden Links zu finden. Hinsichtlich der Zuschüsse für Soloselbständige, Angehörige der freien Berufe und Unternehmen (bis zu 10 Beschäftigten: einschließlich Unternehmen mit landwirtschaftlicher Urproduktion) ist folgendes zu beachten:

  • Die Soforthilfe soll diejenigen Betriebe und Freiberufler unterstützen, die unverschuldet infolge der Corona-Virus-Pandemie in eine existenzgefährdende wirtschaftliche Situation bzw. in massive Liquiditätsengpässe geraten sind und diesen Liquiditätsengpass nicht aus eigener Kraft ausgleichen können. Daher soll ein einmaliger nicht rückzahlbarer Zuschuss für einen Zeitraum von drei Monaten gewährt werden.
  • Dieser Zuschuss dient zur Sicherung der wirtschaftlichen Existenz und Überbrückung von akuten Liquiditätsengpässen und ist ausschließlich für betriebliche Aufwendungen wie Mieten, Kredite für Betriebsräume, Leasingraten u.Ä. vorgesehen, nicht jedoch für private Aufwendungen für den laufenden Lebensunterhalt.
  • Liquiditätsengpässe oder Umsatzeinbrüche, die bereits vor dem 11. März 2020 entstanden sind, sind nicht förderfähig.

Näheres hierzu nach Bundesländern:

Bayern: https://www.stmwi.bayern.de/soforthilfe-corona/

Baden-Württemberg: https://wm.baden-wuerttemberg.de/de/service/foerderprogramme-und-aufrufe/liste-foerderprogramme/soforthilfe-corona/

Berlin: https://www.berlin.de/sen/web/corona/

Brandenburghttps://mwae.brandenburg.de/de/corona-virus-anlaufstellen-f%C3%BCr-unternehmen/bb1.c.661351.de

Bremen: https://www.bremen-innovativ.de/corona-info-ticker-fuer-unternehmen/
Hamburg: https://www.hamburg.de/coronavirus/wirtschaft/

Hessen: https://wirtschaft.hessen.de/wirtschaft/corona-info/soforthilfe/soforthilfe-fuer-selbststaendige-freiberufler-und-kleine-betriebe

Mecklenburg-Vorpommernhttps://www.lfi-mv.de/foerderungen/corona-soforthilfe/

Niedersachsen: https://www.nbank.de/Unternehmen/Investition-Wachstum/Niedersachsen-Soforthilfe-Corona/index.jsp

Nordrhein-Westfalen: https://www.land.nrw/corona

Rheinland-Pfalz: https://mwvlw.rlp.de/de/themen/corona/

Saarland: https://corona.saarland.de/DE/wirtschaft/soforthilfe/soforthilfe_node.html


Sachsenhttps://www.sab.sachsen.de/f%C3%B6rderprogramme/sie-ben%C3%B6tigen-hilfe-um-ihr-unternehmen-oder-infrastruktur-wieder-aufzubauen/index.jsp

Sachsen-Anhalt: https://www.ib-sachsen-anhalt.de/temp-corona-soforthilfe.html


Schleswig-Holstein: https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/VII/_startseite/Artikel2020/I/200326_Soforthilfe_online.html


Thüringen: https://www.gera.ihk.de/gruendung-wachstum-sicherung-channel/unternehmensfestigung-sicherung/soforthilfe-corona-4741458

Öffentliche Darlehensfinanzierungsprogramme

Für Unternehmen, die bereits mehr als 5 Jahre auf dem Markt sind, bietet die Kfw-Bank Darlehen zur Finanzierung von

  • Investitionen, die einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg erwarten lassen
  • Betriebsmittel (Mittel zur Gewähr­leistung des laufenden Betriebes)
  • Warenlager
  • Erwerb von Vermögenswerten aus anderen Unternehmen, auch Übernahmen und tätige Beteiligungen


Für Unternehmen, die noch keine 5 Jahre auf dem Markt sind, ermöglicht der ERP-Gründerkredit - Universell die Finanzierung von Gründungen, Nachfolgeregelungen oder Unternehmensfestigungen. Hierunter fallen alle Formen der Existenzgründung, also die Errichtung von Unternehmen, deren Übernahme oder die Übernahme einer tätigen Beteiligung (auch im Nebenerwerb sowie Nachfolgeregelungen). Zudem werden Festigungsmaßnahmen innerhalb der ersten 5 Jahre nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit finanziert.

Finanzierungsprogramm der Bürgschaftsbanken der Länder:

Sofern infolge der Corona-Krise Kredite für Ihr Unternehmen notwendig werden, können Sie über die Bürgschaftsbanken der Länder eine Überbrückungsfinanzierung  mit Ihrer  Hausbank ermöglichen. Vorausgesetzt wird aber, dass Ihr Unternehmen und Ihr Geschäftsmodell bereits vor Ausbruch der Krise wirtschaftlich tragfähig gewesen ist. Für die Beurteilung Ihrer Finanzierungsanfrage wird die Vorlage eines plausiblen Liquiditätsplans erwartet, aus welchem der erforderliche Kapitalbedarf hervorgeht. Näheres unter  (https://finanzierungsportal.ermoeglicher.de/)

Crowdfinanzierung

Als alternatives Finanzierungsmittel in der Corona-Krise kommt auch der Weg über sog. Crowd Finanzierung in Frage, z.B. über  Conda Hilft (https://www.details.conda.at/conda-hilft-deutschland).

Eigene Finanzierungsmöglichkeiten

Alle Unternehmer können innerhalb ihres Betriebes Maßnahmen ergreifen, die Einfluss auf die Liquidität haben und so die Folgen der Krise mildern können:

  • Vorübergehende Ausweitung des Kontokorrentkredits bei der Hausbank
  • Teil- oder Anzahlungsvereinbarungen mit den Kunden vereinbaren
  • Gewährte Zahlungsziele ausschöpfen
  • Rechnungen für eigene Leistungen  konsequent und zeitnah erstellen und versenden
  • Offene Forderungen an ein Factoring-Unternehmen verkaufen, das im Rahmen eines sog.  Standardfactoring beim Ankauf von Forderungen die Finanzierungs-, die Delkredere- und die Dienstleistungsfunktion übernimmt.

Maßnahmen im Personalbereich

  • Bei Einbruch der Auftragslage und zu geringer Auslastung der Angestellten kann bei der Agentur für Arbeit Kurzarbeitergeld beantragt werden (https://www.arbeitsagentur.de/news/corona-virus-informationen-fuer-unternehmen-zum-kurzarbeitergeld).

    Voraussetzung ist grundsätzlich, dass ein „unabwendbares Ereignis“ (z. B. behördlich veranlasste Maßnahmen, außergewöhnliche Witterungsverhältnisse, Unglücksfall) vorliegen oder wirtschaftliche Ursachen (z. B. Auftragsmangel, - stornierung, fehlendes Material).

    Der Arbeitsausfall muss vorübergehend und unvermeidbar sein und mindestens 10 Prozent der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben.

  • Für bereits erkrankte Arbeitnehmer kann Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall beantragt werden.


Maßnahmen bei einem Tätigkeitsverbot nach dem Infektionsschutzgesetz

Wem aufgrund des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ein Tätigkeitsverbot (§§ 31 und 42 IfSG) oder die Quarantäne (§ 30 IfSG) auferlegt wurde, kann auf Antrag Entschädigung nach §§ 56 ff. IfSG erhalten. Voraussetzung ist in beiden Fällen, dass die betroffene Person einen Bescheid des Gesundheitsamtes erhalten hat, der ein persönliches Tätigkeitsverbot oder die  Quarantäne anordnet und so einen Verdienstausfall zur Folge hat.

Nicht unter diese Regelung fallen daher all diejenigen, die Aufgrund der Corona-Pandemie und der derzeit geltenden Ausgangsbeschränkungen Veranstaltungen absagen oder ihr Unternehmen schließen mussten, also eine Vielzahl von Handelsgeschäften, Gastronomiebetrieben uvm.

Maßnahmen zur Sicherung des Lebensunterhalts des Selbständigen

  • Falls alle Stricke reißen, können auch Selbständige bei der Agentur für Arbeit einen Antrag auf Grundsicherung stellen (https://www.arbeitsagentur.de/corona-faq-grundsicherung).
  • Falls Sie als Selbständiger eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abgeschlossen haben, besteht die Möglichkeit, sich für die Dauer der krisenbedingten Beschäftigungslosigkeit  arbeitslos zu melden, ohne den Betrieb gleich aufgeben zu müssen.

Maßnahmen bei Doppelverdienern

Für den Fall, dass in einer sog. Doppelverdiener-Ehe das Gehalt des einen Ehegatten durch die Corona-Krise ausfällt (z.B. beim Geschäftsführer der Ein-Mann-GmbH, die keine Aufträge mehr hat oder wegen Kurzarbeit) kann beim Finanzamt ein Antrag auf Wechsel der Lohnsteuerklasse gestellt werden. Der Antrag hat zum Ziel, die Lohnsteuerklasse so zu wechseln, dass der Ehegatte, der sein Gehalt noch bekommt Steuerklasse III erhält und der andere Ehegatte die Steuerklasse V.  Damit ist der monatliche Auszahlungsbetrag um einen spürbaren Betrag erhöht und kann die Finanzierung des Lebensunterhalts besser sichern.

Hier das Formular zum Antrag auf Steuerklassenwechsel bei Ehegatten: https://www.finanzamt.bayern.de/Informationen/Formulare/Lohnsteuer_ELStAM/Arbeitnehmer/default.php?f=Ingolstadt&c=n&d=x&t=x#nr1